
Leon ist keiner der gerne auf Feste geht. Große Einladungen sind ihm ein Gräuel. Händeschütteln und Smalltalk zählen nicht zu seinen Lieblingsbeschäftigungen. Die für ihn maßlos übertriebene Herzlichkeit, die aufgesetzte Fröhlichkeit wollen ihm einfach nicht gelingen. Auch heute ist seine Freude eine verhaltene, obwohl der Grund des Festes ein für uns schöner, ein besonderer ist.
Der Bruder meines Vaters feiert seinen Achtziger.
Aus allen Himmelsrichtungen werden mehr als hundert Verwandte, Freunde, Mitarbeiter sich einfinden um ihn zu ehren, ihm ihre Wertschätzung, ihre Zuneigung entgegen zu bringen.
Ich will Einladungen genießen, Spaß haben, gute Laune verbreiten, Komplimente verschenken, geschenkt bekommen, meine schönsten Kleider ausführen, mich stylen, mich in meiner Haut wohl fühlen. Mit Menschen ins Gespräch kommen, mich für sie zu interessieren, auf sie zu gehen, sind mir ein Leichtes. Leon hat sich im Laufe der Jahre zum einsamen Wolf, zum "Schweiger" ,der Energie, Aufmerksamkeit und Zuneigung nicht leicht verschenken mag, entwickelt.
Um auch Leon das ungeliebte Feste feiern ein kleines bisschen zu versüßen, darf er Gast bei meinen Verschönerung Versuchen, an deren Anfang stets ein ausgedehntes, entspannendes Bad, bei leiser Musik steht, sein.
Mit geschlossenen Augen, die Arme ruhen auf dem Wannenrand, der Kopf findet weichen Platz und Halt auf einem, zur Rolle gefalteten Badetuch, genieße ich das warme, duftende Wasser. Angenehm umschmeichelt es meinen Körper. Die Enge der Wanne „zwingt“ zum Stillhalten, Schwerelos- Werden, verführt zum Träumen.
Meeresrauschen, Holzhaus mit, im Sonnenlicht blitzenden Glasfronten am weißen Sandstrand, eine mit Lachen gefüllte Sommerbrise, Drachensteigen, Zärtlichkeit, Liebkosungen, Küsse, Umarmungen, Begehren, Sonnenschirme, Eisverkäufer.
Sanft tauchen zwei Hände durch Schaumkronen, berühren flüchtig Knie und Beine, reflexartig wollen sie sich beugen um zu beschützen, was gar nicht beschützt werden mag.
"Lass es zu!"
Dunkel, verführerisch, süß wie Schokoladeeis, bestimmt, keinen Widerspruch duldend, wie eine die weiß was zu tun ist, ist sie, diese Stimme, die geradewegs aus dem Universum zu kommen scheint; Glückseligkeit versprechend.
Hände, die Zärtlichkeit verschenkend über meinen Körper gleiten, keine "Gegenleistung" erwarten, einzig meine Lust zum Ziel erkoren.
Hände, die mich glauben machen, mein Körper wäre makellos, begehrenswert, die Erfüllung ihrer geheimsten Sehnsüchte.
Hände, die der Melodie meines Atems folgen, verweilen, zärtlich, fordernd sich seinem Rhythmus unterwerfen, mich in ungeahnte Höhen mitnehmen.
Hände, die kaum meine Haut berühren und doch mein Verlangen finden.
Hände, die Einlass suchen, meinen Körper spannen lassen, mein Verlangen stillen.
„Aaaaaaaaaaamelie????????????“
Leon´s Kopf schiebt sich durch die nur einen Spalt geöffnete Badezimmertür.
Fortsetzung folgt